Meister, was sollen wir tun?

Predigt zum 3. Adventsonntag 2018 (Lesungen Jahr C)

1. Gott nimmt das Gewöhnliche und macht es außergewöhnlich

Meister, was sollen wir tun? ist heute die Frage. Nicht nur im Evangelium, sondern auch für uns, hier und jetzt: Was sollen wir tun? Es ist bereits der dritte Adventsonntag, Weihnachten ist nahe: Was sollen wir tun?

Als die Leute diese Frage Johannes dem Täufer stellen, erwarten sie vielleicht – und wir wohl auch irgendwie – eine dramatische Antwort. Das war nämlich ein exzentrischer Typ, dieser Johannes: Kamelhaare als Kleid, Heuschrecken zum Essen und auch beim Predigten absolut kein Blatt vor dem Mund!

Gerade daher überrascht seine Antwort: Teilt mit anderen; macht eure Arbeit gut. Das klingt so gewöhnlich. Aber Gott nimmt das Gewöhnliche und macht es außergewöhnlich!

In der ersten Lesung hat euch vielleicht ebenso wie mich das Wort des Propheten Zefanja getroffen:

“Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.”

Warum sagt Gott das über uns?

Wenn Gott, unser Vater auf uns schaut, sieht er das Bild seines Sohnes, Jesus Christus. Wir sind getaufte Christen, wir sind gewandelt in Christus, wir sind Kinder Gottes. In 2 Kor 5 ruft Paulus aus: “Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!”

Wenn das wahr ist, gewinnt alles was wir tun eine neue Bedeutung. Gott schaut auf uns mit endloser Freude: all unsere Taten, egal wie alltäglich sie auch sein mögen, sind Teil davon, wenn sie aus Liebe geschehen. Gott nimmt das Gewöhnliche und macht es außergewöhnlich!

2. Ein ganz normaler Heiliger

Die berühmteste Kirche der Welt ist wohl der Petersdom: 211 m lang, 187 m breit und 132 m hoch – mehr als doppelt so groß wie der Kölner Dom! Er ist beeindruckend nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen seiner Schönheit. Aber vergessen wir nicht, dass diese gewaltige Kirche über dem Grab eines einfachen Apostels steht, nämlich Petrus. Und wenn irgendwer ein Beispiel dafür ist, wie Gott aus Gewöhnlichem Außergewöhnliches machen kann, dann ist es genau dieser Petrus, der erste Papst:

  • Er redete öfters solchen Unsinn, dass ihn Jesus korrigieren musste.
  • Er diskutierte darüber, wer im Himmel der Größte wäre – und dachte dabei wohl selbst, ein guter Kandidat dafür zu sein.
  • Er wollte Jesus im Garten Getsemani retten, aber alles was er zustande brachte, war irgendwem ein Ohr abzuhauen.
  • Und am schlimmsten – oder besser, am enttäuschendsten: er hat Jesus drei Mal verleugnet!

Und doch nahm Gott das Gewöhnliche und machte es außergewöhnlich. Der prächtige Petersdom ist über dem Grab eines ganz normalen Menschen gebaut, eines Sünders, der aber zugelassen hat, dass Gott Außergewöhnliches in seinem Leben vollbringt.

Wir bieten unsere Schwäche, Gott gibt seine Herrlichkeit!

3. Aus Liebe

Deswegen ist die Antwort des Täufers auf die Frage: Was sollen wir tun? so überraschend gewöhnlich, ja direkt alltäglich: Tu die normalen Dinge, alles was von dir erwartet wird – aber tu es gut! Weil wir Kinder Gottes sind, ist alles, was wir tun wichtig:

  • Tu deine Arbeit gut: Egal was meine Aufgabe ist, ich erledige sie gut.
  • Bist du verheiratet? Dann liebe. Sag “Es tut mir leid” und “Ich vergebe dir”.
  • Du redest mit anderen – über andere? Sei verständnisvoll statt abschätzig.
  • Du musst den Müll raustragen oder aufräumen oder sonst etwas, was du nicht magst? Tu es aus Liebe und mit Liebe.
  • Du bist Christ? Sei es wirklich, und alles was du tust, wird ewigen Wert bekommen!

Die heilige Therese von Lisieux drückte es so aus: “Gewöhnliche Dinge außergewöhnlich gut machen, aus Liebe zu Jesus Christus.” Und der Hl. Franz von Sales: “Eine kleine Tat aus zwei Gramm Liebe ist mehr wert als ein ganzes Martyrium aus einem Gramm.” Die Liebe allein bestimmt den Wert unseres Tuns, sie ist das Geheimnis!

Christ zu sein ist immer aufregend – im positivsten Sinn – weil nämlich alles, was wir tun, Sinn und Wert besitzt:

  • Alle Pflichten und auch das Leid, sowie die Freude in unserem Leben haben unendlichen Wert in den Augen Gottes.
  • Alle Herausforderungen und alle Kämpfe werden Teil von Gottes Rettungsplan.

Weihnachten steht vor der Tür. Wir haben noch 10 Tage, uns auf das außergewöhnlichste Ereignis der Weltgeschichte vorzubereiten: die Geburt Jesu Christi, wahrer Gott und wahrer Mensch – und wirklich einer von uns. Gott nimmt das Gewöhnliche und macht es wahrhaft außergewöhnlich!

Gelobt sei Jesus Christus!

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